Ostseehäfen auf den Spuren der Industriemoderne

Benedikt Boucsein - 2006

Der Ostseeraum ist eine von Europas historisch und politisch interesantesten und facetenreichsten Regionen. Über die weiten Ebenen im Norden von Polen und in den baltischen Staaten sind schon viele Armeen marschiert, dort sind so viele Schlachten geschlagen worden und Menschen um- und angesiedelt worde, dass man in jeder Strasse und in jedem Gesicht zu spüren meint, wie die Geschichte hier ihre Opfer forderte. Und man versteht die Auswirkung von Krieg und fremder Besatzung, von totalitären Ideologien und Rachsucht endgültig, wenn man in die skandinavischen Länder reist, dorthin, wo die Menschen teilweise schon seit Jahrhunderten so wirtschaften und leben können, wie sie wollen, und eindeutigen und freiheitlichen Gesetzgebungen.

Ziel meiner Reise war es, Hafengebäude in verschiedenen Städten der Ostsee aufzuspüren und zu vergleichen, herauszufinden, worin ihre Faszination liegt, und wie man diese Faszination in einer eigenen Architektursprache adaptieren und wecken kann. Doch an den Tagen, die ich nicht im oder am Hafen verbrachte, entdeckte ich eine intensive, höchst lebendige und vielschichtige Region, deren Probleme und Chancen für das sich seit 1990 sich neu formende Europa typisch sind. 4 der 10 neu hinzugekommenen EU-Mitglieder grenzen an die Ostsee. Und alle Ostsee-Länder sind nun in der EU, bis auf Russland, das sich im scharfen Gegensatz dazu sieht und nach einem eigenen Profil sucht. Eine "Pufferzone" zwischen Ost und West gibt es an der Ostsee nicht. Weder die baltischen Staaten noch die Polen hatten oder haben Interesse an einer solchen Rolle...

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